SENNHÜTTE/EFFINGEN: Ausgrabung von Spuren aus der Broncezeit

Unser Erdboden birgt
noch viele Geheimnisse


Archäologische Funde deuten darauf hin, dass auf dem Juraübergang bei der Sennhütte schon vor über 3000 Jahren Leute wohnten. Aus dem früheren und dem heutigen Leben auf diesem schönen Flecklein Erde.

Sonntagmorgen. Der Blick von der Sennhütte Richtung Gallenkirch ist durch leichte Dunstschleier getrübt. Alt sind sie, die paar Häuser auf der Höhe, wo noch anfangs des Jahrhunderts mehrere Familien ein fleissiges Leben führten. Übriggeblieben ist die 96jährige Mutter Tschumi, die unbedingt an diesem schönen Ort den Rest ihres Lebens verbringen möchte. Und weil sie von hier nicht wegzubringen ist, sind ein Sohn und eine Tochter zu ihr gezogen, ohne allerdings ihre gemeinsame Wohnung in Münsingen aufzugeben.

Röbi, der unterdessen pensionierte Sohn, denkt gerne an die Jahre zurück, die er mit acht Geschwistern hier oben verbrachte. 1924 war die junge Familie hierhergezogen. «Mutter wäre am liebsten gleich wieder umgekehrt, denn die rauchgeschwärzte Küche glich einer Räuberhöhle», weiss Röbi Tschumi zu berichten. «Und eng war die Wohnung! Die Kinder wurden zu zweit in ein Bett gesteckt. Oft lag im Winter tiefer Schnee, und der Schulweg nach Effingen war mühsam. Das Wasser wurde an einem Wasserloch, einer Art Ziehbrunnen, geholt.» Um die vielköpfige Familie zu ernähren, arbeitete der Vater bei einer Strassenbaufirma in Brugg, und die Mutter verrichtete mit den Kindern zusammen den grössten Teil der Arbeit auf dem Hof.

Bewohner aus der Broncezeit
Wie eine Narbe zieht sich nahe am Haus vorbei der zugedeckte Graben der Erdgasleitung Zuzgen-Winterthur. Diese Grabung überwachten die Archäologen in ihrer ganzen Länge und entdeckten gerade hier Sensationelles. Keramik- und Broncegegenstände, Abdrücke der Eckpfosten eines Hauses sowie Steine, die ihrer roten Farbe nach zu schliessen, rings um die offene Feuerstelle lagen.

Das Interesse ist geweckt. Wie lebten die Leute damals? Hätte man doch früher im Geschichtsunterricht besser aufgepasst! Damals hatte die ägyptische Hochkultur mit ihren Wissenschaften, Künsten und genialen Bauwerken ihren Höhepunkt schon überschritten und bald darauf würde sich Griechenland zur beherrschenden Macht am Mittelmeer aufschwingen. Die «Ewige Stadt», Rom, war damals noch gar nicht gegründet.

Ganz anders die Situation, in der unser Sennhüttenbewohner lebte. Viel Wald bedeckte Mitteleuropa. Dazwischen, auf gerodeten Flächen, oft auf Anhöhen oder an Seen, einfache, einräumige Behausungen; Haustiere aller Art wurden gehalten. Auch den Ackerbau mit verschiedenen Getreidearten kannte man. Auf einfachen Webstühlen wurden Stoffe hergestellt.

Waren die Zeiten wohl kriegerisch, dass damals manche Dörfer wie Fluchtburgen zuoberst auf Bergen errichtet wurden? (Wittnauer Horn)

Man nimmt an, dass das Wissen um die Bronceherstellung aus dem Mittelmeergebiet über die Donauländer in unsere Gegend kam. Auf neun Teile Kupfer wurde ein Teil Zinn benötigt. Das ergab ein gut zu giessendes, hartes Metall, das zu Werkzeugen, Waffen und Schmuckstücken geschmiedet wurde. Kupfer gab es in der Schweiz, Zinn musste aber von weit her gebracht werden. Damals muss schon reger Handel getrieben worden sein.

Geheimnisse unter der Humusdecke
Unterdessen gibt es an diesem schönen Sommertag immer mehr Betrieb auf der Sennhütte. Wanderer und Biker bevölkern den Fricktaler Höhenweg. Manche halten an: Bei Tschumis gibt es schon seit Jahren kühle Getränke zu kaufen.

Ein Wanderer fragt nach der Ausgrabungsstelle. Im Gespräch erfährt man, dass er einer Gruppe von Leuten angehört, die sich für Spuren alter Zeiten unter der Erdoberfläche interessieren. Sie unterstützen die Archäologie auch, indem sie besonders bei Erdbewegungen in ihrer Umgebung die Augen offen. halten und interessante Beobachtungen melden. Manchmal helfen sie auch bei Ausgrabungen mit. Für Georg Oeschger bedeutet dieser Fund eine Genugtuung; «Ich habe schon immer vermutet, dass an diesem sicher schon in frühesten Zeiten bedeutsamen Übergang vom Aare- ins Rheintal irgendwelche menschliche Spuren zu finden seien.»

Auch am Übergang zwischen Villigen und Mandach wurden schon vor Jahren Funde aus der Steinzeit und der Broncezeit gemacht.

Nicht nur Fachleute, sondern auch Bewohner der Gegend dürften der Auswertung der neuesten Funde mit Interesse entgegensehen. su



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