BIRMENSTORF/BERN: Eidgenössisches Trachtenfest am 27./28. Juni mit grosser Aargauer Beteiligung Zeugen der Geschichte
 
Nach zwölf Jahren treffen sich erstmals wieder 10000 Trachtenleute aus der ganzen Schweiz, darunter viele Aargauer, zu einem eidgenössischen Trachtenfest. Die Trachten repräsentieren
Vielgestaltigkeit. Am Samstag morgen wird sich die Berner Bahnhofshalle in ein Meer von Farben verwandeln, wenn die Gruppen aus allen Teilen der Schweiz ankommen: Bernerinnen mit kostbarem Silberschmuck, Appenzeller Sennen in
Rot-Gelb mit den Kuhmotiven an Messingbeschlägen, die Bündnerinnen, meist in roten Trachten mit wunderschönen Stickereien, die Genferinnen in leichten Baumwollkleidchen, Walliserinnen in schweren, dunklen
Stoffen und dann das fröhlich-bunte Tessiner Völklein mit Zoccolis an den Füssen. Ob irgend jemand all die verschiedenen Trachten auseinanderhalten kann. Das grosse Tanzfest wird mit einer Polonaise mit Tausenden von Paaren eröffnet. Schon viele Monate hat man in den Gruppen geübt, um bei den Volkstänzen aus der ganzen Schweiz mittun zu können:
Mit besonderer Eleganz die Romands, aber weder die dicken Stoffe der Walliser noch die Zoccolis der Tessiner halten diese vom ausgelassenen Schwingen des Tanzbeins ab. Am Abend dann Vorführungen der verschiedenen Landesteile auf Berns Plätzen. Weder Rösti- noch andere Gräben werden in jener Nacht das Trachtenvolk beim fröhlichen Festen trennen. Der Aargau in Bern Der Aargau zählt über 2500 Trachtenleute. Im Bezirk Brugg gibt es zum Beispiel im Schenkenbergertal in jedem Dorf eine Gruppe. Die Aargauer Trachten widerspiegeln die Situation vor der Kantonsgründung:
Trachten des Berner Aargaus haben Ähnlichkeit mit jenen Berns, jene des Freiamtes gleichen stark der historischen Zuger und Luzerner Kleidung. Vor allem die spezielle Haube der Fricktalerinnen weist in den
Schwarzwald und ins Elsass, während in der ehemaligen Grafschaft Baden hauptsächlich Ostschweizer Einflüsse erkennbar sind. Für Roland Meyer, den 33jährigen Birmenstorfer Lehrlingsausbilder bei ABB, ist das Trachtenfest die erste grosse Herausforderung seit seinem Amtsantritt als Trachten-Kantonalpräsident vor einem Jahr.
Zum Trachtentanzen ist er gekommen, nachdem er mit seiner Braut Myriam vor acht Jahren eine Freizeitbeschäftigung suchte, die beiden zusagte. Unterdessen sind die beiden verheiratet und zwei der drei Töchterchen
hüpfen schon in der Kindertanzgruppe mit und tragen mit Begeisterung ihre Trächtli. Mit Roland Meyer und Kantonaltanzleiter Werner Vogel sind junge Leute an der Spitze des Aargauer Verbandes. Wenn im neuen Buch «Trachten machen Leute» gewünscht wird, die Trachten möchten sich
weiterentwickeln und nicht «in einer einem Museumsstück ähnlichen Starre» verbleiben, so ist es wohl vor allem an der Jugend, andere Ideen einzubringen. «Wir Aargauer gehen oft neue Wege»,
erzählt Roland Meyer, «am Volksfest in Bern gibt es auf unserem Platz nicht nur Vorführungen, sondern wir laden auch das Publikum zum Mitmachen ein. Der Umzug hat das Thema «Trachtenleute gestern und
heute. Rückblick-Ausblick.» Wir möchten dazu in unserem Teil die Tracht in Bezug zu ihrer Umwelt stellen und diese miteinbeziehen. Nebst Trachtenträgern sind hier zum Beispiel auch junge Leute zu
sehen, die eine ihrem Lebensgefühl entsprechende, ganz andere Kleidung tragen. Oder Berufsleute in ihrer Arbeitskleidung und verschiedene ausländische Trachtenpaare.» Ob die Ideen der Aargauer verstanden werden, oder ob man doch lieber bei der traditionellen Trachten-Parade bleiben möchte? su Literatur: «Trachten machen Leute. Details und Miniaturen die Schönheit im Kleinen und Feinen» von Arlette Köfer-Rickenbach, Johannes Schmid-Kunz und Fernand Rausser «Trachten im Aargau» erhältlich bei Roland Meyer, 5413 Birmenstorf, Tel. 056/225 27 82, für Fr. 25..
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Das Programm Samstag, 27. Juni: Ab 13.30 Uhr Tanzfest im Fussballstadion Wankdorf (bei schlechtem Wetter: Eisstadion Allmend) ab 20 bis 2 Uhr Volksfest auf den Plätzen der Altstadt. Sonntag, 28. Juni: 9.30 Uhr Ökumenischer Gottesdienst im Eisstadion Allmend. Anschliessend Festakt. 13.30 bis 15 Uhr Festumzug; der Umzug wird am 28. Juni von 13.30 bis 16 Uhr direkt im Fernsehen übertragen, eine weitere Reportage über das Trachtenfest folgt am 8. August um 18.45 Uhr. Informationen: Tel. 031 771 27 58 |
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Ursprung der Trachten Die Regierenden der Alten Eidgenossenschaft verboten dem einfachen Volk durch Kleidermandate jegliche Hoffart. Selbst Gesponnenes und Gewobenes sollten die Landleute tragen. Unter dem Einfluss von Aufklärung
und Liberalismus im 18. Jahrhundert blühten dann aber die Bauerntrachten auf. Wie jede Gegend ihren eigenen Baustil und ihre eigene Mundart hatte, entwickelte sich auch die Bekleidung von Tal zu Tal verschieden.
Durch Kaufleute, Söldner und Wallfahrer lernte man neue, kostbare Materialien kennen. Wandernde Handwerker und Glaubensflüchtlinge brachten neue Techniken ins Land, so zum Beispiel die Hugenotten das Klöppeln. Aus dem fernen Asien stammen die Seidenindustrie und die Stickkunst, das
Strohflechten gelangte über die Toscana in die Schweiz. Die Seiden- und Leinenindustrie, Stickerei und Weberei blühten auf. Mit Beginn der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts wollte niemand mehr
Trachten tragen. Dass es aber möglich war, diese in unserem Jahrhundert wieder aufleben zu lassen, ist dem Tourismus zu verdanken. Die Naturbegeisterung führte viele Touristen ins Land, die als begehrte
Souvenirs Bilder von Schweizer Trachtenleuten malen liessen. Diese dienten den Trachten-Erneuerern oft als Vorlage. |
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